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Rinaldo Rinaldini




Kommentar von Danielle Günther





»Rinaldo Rinaldini - ganz Italien sprach von ihm.«




Nicht nur Großbritannien hat seinen legendären Volkshelden Robin Hood, nein, auch Italien kann mit einem solchen aufwarten. Leider ist dieser weder legendär noch mythisch, er wurde schlichtweg erfunden, nämlich von Christian August Vulpius, seines Zeichens Schwager von Johann Wolfgang von Goethe. Mit seinem 1799 erschienen Roman »Rinaldo Rinaldini der Räuberhauptmann« legte er den Grundstein für die Trivial- und Groschenliteratur.

Es gab jedoch zwei reale Vorbilder, welche mutmaßlich die Figur des Rinaldo Rinaldini inspiriert haben sollen. Zum einen Capitano Angelo Duca, ein sizilianischer Bauer, der als Bandit in die Berge ging und 1784 hingerichtet wurde, zum anderen Fra Diavolo, eigentlich Michele Pezza, vermeintlicher Mönch, Straßenräuber und später Kämpfer gegen die französische Okkupation in Süditalien.

Obwohl der Roman sicherlich einiges hergibt, so vermag das Hörspiel dies leider nicht umzusetzen. Zu Beginn gibt uns zwar Hans Paetsch einige einleitende und erklärende Sätze mit auf den Weg, dennoch hat man das Gefühl, den Anfang verpasst zu haben. Keiner der Charaktere, mit Ausnahme Rinaldinis, wird vorgestellt, es wird vielmehr vorausgesetzt, dass einem die Namen geläufig sind.

Trotz einiger Überfälle, Einkerker- und -mauerungen, spektakulärer Fluchten und einer angedeuteten Liebesaffäre vermag einfach keine Spannung aufzukommen. Schlimmer noch: es ist einem gleichgültig, ob Rinaldini jetzt aus seinem Wald herauskommt oder ob er seinen Gefährten höchstpersönlich mit Hammer und Meißel aus der Mauer kloppen muss. Die Tatsache, dass man kurz vor Schluss noch erfährt, dass sein Liebchen blauen Blutes ist, rettet das Hörspiel dann auch nicht mehr. Bleibt nur noch die Frage, was an Korsika so toll ist, dass die ganze Bande am (sehr abrupten) Ende dorthin schippert. Warum man ausgerechnet diese Geschichte vertont hat, ist wohl auf die Fernsehserie von 1968 zurückzuführen, welche allerdings handlungsmäßig kaum Parallelen aufweist.

Die Crème de la Crème der EUROPA-Sprecherriege ist auch hier wieder am Werk, kann aber diesmal keinen Blumentopf gewinnen. Michael Poelchau als Rinaldini kommt so arrogant und überheblich rüber, dass man ihm keine Sympathie entgegenbringt. Inwieweit dies gewollt ist, um dem Charakter etwas mehr Tiefe zu verleihen, vermag ich nicht zu sagen, es ist jedenfalls nicht gelungen. Man kauft ihm weder die Zuneigung zu seinen Kumpanen, noch zu Aurelia ab. Sein »Ihr wisst, sie gefällt mir!« klingt eher nach einem One-Night-Stand als nach großer Liebe - von dem Aufruf zur Vergewaltigung (»Das Schloss, die Vorratskammern und die Frauen gehören euch!«) mal ganz zu abgesehen.

Andererseits fragt man sich, ob eine Frau, die 1. ihren Verehrer in einer Mönchskutte schon nicht mehr wiedererkennt und 2. wenn sie erfährt, dass ihr Verehrer ein Held ist, einen auf eingeschnappte Zicke macht, den ganzen Zinnober wert ist - was uns zu Reinhilt Schneider führt. Diese kann sich leider auch hier in ihrer Rolle nicht entfalten und spricht ätherisch wie eh und je. So langsam entdecke ich das System dahinter: je dümmlicher und naiver ihre Rolle, desto medikamentöser spricht sie.

Die restliche Crew bemüht sich nach Kräften, kann diesem Hörspiel aber kaum Leben einhauchen. Erwähnenswert wäre allerdings noch Rudolf Fenner, der hörbar Spaß daran hatte, mal keine Kehlen aufzuschlitzen und/oder Kinder zu fressen.

Passend zur Szenerie und der Zeit beschränkt sich die musikalische Untermalung auf stimmige Cembalo-Musik, bei der Andreas Beuermann bestimmt noch persönlich in die Tasten gehauen hat.

Fazit: Kann man hören, muss man aber nicht.





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