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H.G. Francis / Gruselserie
(6)
Das Duell mit dem Vampir




Kommentar von Pitichinaccio





»Guten Abend, Doktor. Señorita, ich habe Señor Petersen dabei, der Sie gefunden hat.«




Nachdem die Geschichte viele von uns - und so auch mich - seit 1981 begleitet, kann ich auf Grund der entsprechenden Rückmeldungen durchaus behaupten, daß sich an dieser Produktion die Geister scheiden: entweder man genießt den Trash und die ab der vierten Minute einsetzenden Logikgranaten oder man zuckt mit den Schultern und räumt ein, mit dem Hörspiel nichts, aber auch gar nichts anfangen zu können.

Ich gehöre zu der zweiten Gruppe, und ich stehe dazu. Weder kann ich der Geschichte irgendeinen Sinn entlocken, noch amüsieren mich die inhaltlichen und handwerklichen Fehler. Denn schon der Titel trifft nicht den Kern des Hörspiels. Sicher, im Ergebnis geht es um die Feindschaft eines Werwolfs und eines Vampirs - oder eines Werwolfs und zweier Vampire, wer weiß das schon genau? Aber zum einen ist dieser Handlungsstrang eh kaum nachvollziehbar, und zum zweiten spielen sich die "Duelle" außerhalb der Szenen ab, die dem Hörer präsentiert werden.

Worum also geht es? Zusammengefaßt darum, daß ein weiblicher Vampir einen Werwolf töten will, um dessen Blut zu trinken und dadurch an Kraft zu gewinnen. Aber dann beginnen schon die Fragen: Warum ruft die Vampirin bei den Auseinandersetzungen mit dem Werwolf immer wieder um Hilfe, um dann die Existenz des Monsters zu leugnen? Warum dringt offenbar sie in das Zimmer von Tom und Eireen ein? Warum führt sie Tom und Eireen zu ihrer Doppelgängerin? Und wieso gibt es die Vampirin überhaupt zweimal? Und was die beiden Handlungsstränge »Werwolf« und »Vampir« wirklich miteinander zu tun haben, mag man schon gar nicht mehr fragen. Die erste Erklärung des Arztes, er jage den weiblichen Vampir, und seine zweite Aussage, er jage den Werwolf, bringen nur noch mehr Verwirrung in das Durcheinander.

Hinzu kommen die handwerklichen Fehler, so etwa die Äußerung des Polizisten, er habe »Señor Petersen« dabei, obwohl er ja von Tom Fawley begleitet wird. Vermutlich erlebte erst ein Ehepaar Petersen den gesammelten Unsinn in dem spanischen Parador, bevor man nachträglich Tom und Eireen zu den Protagonisten machte. Dafür spricht auch, daß Tom und Eireen nicht ein einziges Mal das sonst für sie sonst so typisches Gefrotzel hören lassen. Das alles ist zwar eine Erklärung für die Schwächen der Produktion, aber keine Entschuldigung. In diesem Zusammenhang stellt man sich auch beiläufig die Frage, wieso hier ausnahmsweise Christian Rode und nicht Günther Ungeheuer diese Episode der »Gruselserie« erzählt. Nein, hier paßt zu vieles nicht zueinander, um der gruseligen Grundatmosphäre einen notwendigen Rahmen zu geben.

Unter den Sprechern fallen leider Christian Rode und Horst Frank negativ auf, denn beide wirken recht unbeteiligt, Horst Frank zudem auch noch erkältet. Vielleicht war auch ihnen nicht ganz klar, worum es hier eigentlich geht. Brigitte Kollecker und Cordula Hubrich schreien sich überzeugend durch die 33 Gruselminuten, aber zwei ängstliche Frauen machen eben noch kein Hörspiel.

Fazit: ein aus mehreren Gründen schwacher Kandidat der »Gruselserie« ... und eine der wenigen "roten" Folgen, die man nicht kennen muß.





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