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Alfred Hitchcock

Die drei ???

und das Gespensterschloß




Kommentar von Christoph




Mal ganz im Ernst: wer würde sich, wenn er unter einem Handicap wie beispielsweise einem deutlichen Sprachfehler (»er stieß mit der Zunge an«) leidet, von jemanden vertreten lassen, der das gleiche Problem hat? Richtig, diese Person würde man hierfür sicherlich nicht in die engere Wahl ziehen, oder? Derjenige, der sich genau diese Frage stellt, das Ganze noch ein bisschen weiterspinnt und dann zwei und zwei zusammenzählt, hat den Fall um das »Gespensterschloss« schon beinahe gelöst, ohne ein Genie wie Justus Jonas zu sein oder alle Einzelheiten dieses Falls genau zu kennen.

Aber beginnen wir von vorn. Der von den drei Fragezeichen hoch geschätzte Alfred Hitchcock bittet das Detektivtrio (in ihrem ersten Fall laut Buchreihenfolge) um Hilfe, da er einen Gruselfilm drehen will, hierfür aber noch kein geeignetes Ambiente gefunden hat. Eine besonders reizvolle Aufgabe für Justus, Peter und Bob, bei der Letztgenannter ein verlassenes Anwesen ermittelt, welches einmal einem bekannten Schauspieler aus der Stummfilmzeit namens Stephan Terrill gehörte. Der ehemalige Hausherr lebt jedoch (vermutlich) nicht mehr. Es existiert ein Abschiedsbrief, in der der ehemalige Grusel-Film-Star sein nahes Ende ankündigt und das Haus verflucht, auf dass es für alle Zeiten gemieden werde. Der Grund für den Abstieg und die anschließende Vorgehensweise des Künstlers lag in dem zuvor erwähnten Handicap, so dass sich die Zuschauer über den lispelnden Protagonisten eher schlapplachten, als sich vor diesem zu fürchten. Der Beginn des Tonfilms hatte somit das Ende der Kariere von Stephan Terrill eingeläutet, der sich darauf verbittert zurückzog und wohl später im Meer ertrunken sein soll.

Justus ist von alledem fasziniert und möchte das Schloss, dessen düsterer und unheimlicher Ruf diesem vorauseilt, unbedingt besuchen, während der nicht ganz so mutige Peter (um es mal nett auszudrücken) am liebsten schon zuvor das Handtuch werfen will. Bereits der erste Besuch von Justus und (natürlich) Peter heizt den beiden gruseltechnisch ordentlich ein, und fortan hat man das Gefühl, dass es Justus um wesentlich mehr geht, als nur für Mr. Hitchcock einen geeigneten Drehort zu finden. Jedenfalls verlässt man bereits nach kurzer Visite fluchtartig das Anwesen. Dies fordert Justus zum Leidwesen Peters nur noch mehr raus. Es gilt, mehr über das Schloss zu erfahren.

Bei Recherchen stößt man auf die Person des Jonathan Rex. Dieser war (und ist) die rechte Hand von Stephan Terrill. Er kümmert sich derweil um das gespenstige Anwesen, welches der verschollene bzw. tote Terrill seinerzeit als eine Art Gruselschloss erbauen ließ. Die drei Detektive suchen Jonathan Rex auf. Seltsamerweise fällt unseren drei Lieblingsdetektiven nicht sofort auf, was eigentlich jedem geneigten Hörer augenblicklich bewusst werden sollte. Auch der gute Jonathan hat diesen hinderlichen Sprachfehler. Eines leuchtet mir bei näherer Betrachtung (im wahrsten Sinne des Wortes) selbst heute noch nicht ein. Wie konnte Bob bei seinen Recherchen ein Foto auftreiben, auf dem der Gruselstar Stephan Terrill und sein Vertrauter Jonathan Rex gemeinsam abgebildet sind, wenn es sich doch in Wahrheit nur um eine Person handelt?

Wie dem auch sei, Terrills perfider Plan, sein unheimliches Anwesen trotz seiner beruflichen sowie finanziellen Pleite durch Furcht und Abschreckung vor dem Verlust desselbigen zu schützen, mag eine Zeitlang funktioniert haben - keiner wollte das "Gruselhaus" käuflich erwerben. Die Beharrlichkeit der drei Fragezeichen, die auch bei weiteren Besuchen des Schlosses etwaigen Angriffen sowohl psychischer als auch (später) physischer Natur trotzen, zahlt sich schlussendlich aus - sprich, sie finden das raus, was man (der aufmerksame Hörer) bereits nach einem Drittel des Hörspiels bereits erahnen konnte.

Und auch wenn es das Hörspiel an der einen oder anderen Stelle schon ein bisschen an Logik fehlen lässt, macht es dennoch Freude, die drei Gesellen aus Rocky Beach bei ihren Ermittlungen zu begleiten. Das liegt vor allem an den (damals) noch jungen und unverbrauchten Sprechern, die hier (im Gegensatz zu fast allen neueren Hörspielen der drei Fragezeichen) wirklich noch alles geben und ihre Texte nicht einfach nur herunterrasseln. Allein die sich immer weiter steigernde Angst (»vom Unbehagen bis zur panischen Angst«), die vor allem Peter im Gespensterschloss ertragen muss, kann man schon fast mit den Händen greifen. Zudem sind die zugegeben recht wenigen Rollen allesamt hervorragend besetzt, und das Hörspiel selbst nimmt relativ schnell Fahrt auf. Besonders positiv fällt der leider viel zu früh verstorbene Andreas von der Meden auf, der hier gleich zwei Parts übernimmt, einmal als smarter aber stets zuvorkommender Chauffeur Morton und ein zweites Mal als der vom Neid zerfressene Erzfeind Skinny Norris - zwei Charaktere, wie sie unterschiedlicher wohl kaum sein könnten. Letzterer bringt viel Freude, ist er doch so mies und niederträchtig wie kaum in einem anderen Drei-Fragezeichen-Hörspiel. Auch seine offensichtlichen Schwächen (ein prahlerisches Großmaul, das dann doch recht schnell die Hosen voll hat) kommen hier recht gut zur Geltung und machen einfach nur Spaß.

»Die drei ??? und das Gespensterschloss«, eines der wenigen Stücke aus der Feder des Original-Autors Robert Arthur (»The secret of terror castle«), ist keine absolut runde Sache, wirft einige Fragen auf, ist aber andererseits insgesamt etwas zu leicht zu durchschauen. Dennoch haben wir hier ein munteres Hörspiel mit Witz und viel Charme, das man nicht missen will. Natürlich die volle Punktzahl.





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