E 219
Polizeihubschrauber im Einsatz / Schmuggel im Hafen

Produktionsdaten:


Erscheinungsjahr

1967
Katalognummer E 219
Spielzeit 21'50" / 19'29"
Label Erstausgabe Cover Kriminalspiel
Label Erstausgabe LP Kinderserie (weiß/rot)
Tonträgerformat LP
Cover

Fotograph unbekannt


Seitenaufteilung:
1
Polizeihubschrauber im Einsatz
2
Schmuggel im Hafen




Personalia I:

Die zahlreichen Polizisten in der Geschichte »Polizeihubschrauber im Einsatz« werden immer wieder von denselben Schauspielern gesprochen. Darunter sind Andreas Beurmann, Benno Gellenbeck, Sven H. Mahler, Wolfgang Schiwietz und Michael Stobbe.

Unter den Stimmen der Polizisten in der Geschichte »Schmuggel im Hafen« ist wiederum die von Wolfgang Schiwietz herauszuhören.





Personalia II:

Bei Hans-Martin Neumann handelt es sich nicht um einen professionellen Schauspieler oder Sprecher. Er war in der Zeit dieser Aufnahme Marketing-Direktor bei Miller International und übernahm hier, so wie öfters auch Andreas Beurmann, eine kleine Gastrolle.





Musik I:
Polizeihubschrauber im Einsatz

Die Geschichte wurde mit Musik unterlegt, die auf den LPs


»Mr. Poppkorn oder: die Reise nach Rothenburg«



somerset 676

Chor und Orchester der Städtischen Bühnen Dortmund
Dirigent: Heinz Panzer


»Tanz mit mir!«



E 172

Das EUROPA-Tanzorchester
Leitung: Rudi Bohn


zu finden ist:




Beginn der 1. Seite

»Mister Poppkorn oder: Die Reise nach
Rothenburg«, »High Society« (dort: Vokalversion)



Oberkommissar Wohlers: »Ja, los, beeil' dich!«

»Tanz mit mir!«, »An Old Love, A Real Love«



Frau Winter: »Polizei?!«

»Mister Poppkorn oder: Die Reise nach
Rothenburg«, »High Society« (dort: Vokalversion)



Hauptkommissar Fries: »Wohlers, nicht den Mann aus den Augen lassen.«

»Tanz mit mir!«, »An Old Love, A Real Love«



Erzähler: »Und weil Uwes Beobachtungen zum Erfolg geführt hatten, war er der Held des Tages.«

»Tanz mit mir!«, »An Old Love, A Real Love«


Schmuggel im Hafen

Diese Geschichte wurde mit Musik unterlegt, die auf den LPs


»Tanz mit mir!«



E 172

Das EUROPA-Tanzorchester
Leitung: Rudi Bohn


»Alte Weisen
ganz modern«

»High Life -
Kesse Tanzmusik«



somerset 592


E 173

Paul Griffin und seine Rhythmiker
= The Great Griffin Group

(instrumental)

(mit Gesang)


»Mr. Poppkorn oder: die Reise nach Rothenburg«



somerset 676

Chor und Orchester der Städtischen Bühnen Dortmund
Dirigent: Heinz Panzer


zu finden ist:




Beginn der 2. Seite

»Tanz mit mir!«, »Camptown Races«



Jonny: »Das ist doch 'ne feine Sache.«

»Alte Weisen ganz modern« /
»High Life - Kesse Tanzmusik«,
»Ein Mann, der sich Kolumbus nannt'«



Jonny: »Haben wir prima hingekriegt, was, Fiete?«

»Alte Weisen ganz modern« /
»High Life - Kesse Tanzmusik«,
»Gestern abend ging ich aus«



Willy Grollmann: »Ah, so ist das.«

»Alte Weisen ganz modern« /
»High Life - Kesse Tanzmusik«,
»Das Wandern ist des Müllers Lust«



Hein: »Bis gleich!«

»Alte Weisen ganz modern« /
»High Life - Kesse Tanzmusik«,
»Hamburger Veermaster«



Jonny: »So, Mann, noch vier Säcke.«

»Mister Poppkorn oder: Die Reise nach
Rothenburg«, »High Society« (dort: Vokalversion)

»Alte Weisen ganz modern« /
»High Life - Kesse Tanzmusik«,
»Ein Mann, der sich Kolumbus nannt'«



Willy Grollmann: »Das mach' denen mal klar.«

»Alte Weisen ganz modern« /
»High Life - Kesse Tanzmusik«,
»Oh, du lieber Augustin«



Willy Grollmann: »Na bitte, das ist 'n Wort!«

»Mister Poppkorn oder: Die Reise nach
Rothenburg«, »High Society« (dort: Vokalversion)



Obermeister Schrader: »Irgendwo müssen die ja mit ihrer Barkasse sein.«

»Mister Poppkorn oder: Die Reise nach
Rothenburg«, »High Society« (dort: Vokalversion)



Willy Grollmann: »Los, kommt!«

»Mister Poppkorn oder: Die Reise nach
Rothenburg«, »High Society« (dort: Vokalversion)



Obermeister Schrader: »Steigen Sie über.«

»Alte Weisen ganz modern« /
»High Life - Kesse Tanzmusik«,
»Ein Mann, der sich Kolumbus nannt'«




Musik II:

Per Polizeihubschrauber nach Rothenburg

Die Titelmusik des »Polizeihubschraubers« lohnt einer näheren Betrachtung. Denn es handelt sich bei diesem 30-sekündigen Musikakzent eigentlich um ein Zitat aus einem deutschen Musical.

Ja, Sie haben richtig gelesen: ein deutsches Musical. Diese seltene musikalische Gattung, die im Grunde genommen keinen einzigen prominenten Vertreter jemals zum Vorschein gebracht hat, wurde in den 1960er Jahren um ein Werk erweitert, das heutzutage wohl als von der Fachwelt vergessen anzusehen ist: »Mister Poppkorn oder: Die Reise nach Rothenburg«. Es erzählt die Geschichte eines reichen Amerikaners (Mister Poppkorn) mit deutschen Wurzeln, der in die Heimat seiner Vorväter reist, um dort einen runden Geburtstag zu feiern. Dabei erweist er sich als äußerst spendabler Mäzen der Stadt Rothenburg ob der Tauber. Daher wird zum Finale hin ihm zu Ehren sogar ein eigenes Denkmal enthüllt. Soviel zur etwas dürftigen Handlung.

Die eingängigste Nummer und der Publikumsliebling des Musicals ist das Ensemble-Stück »High Society«. Und aus eben dieser Nummer wurde die Titelmusik des »Polizeihubschraubers« "entlehnt". Doch wie kam es dazu? Nun, die genaue Beantwortung dieser Frage obliegt wohl den damaligen Mitarbeitern beim Studio EUROPA. Aber einige Umstände sind schon wohl bekannt, so dass zumindest vorsichtige Rückschlüsse erlaubt sind.

Von »Mister Poppkorn« existiert ein Mitschnitt der Uraufführung 1963 im Dortmunder Opernhaus. Das Ensemble der Städtischen Bühnen Dortmund ist dort unter der Leitung von Heinz Panzer zu hören. Diese Aufnahme wurde nahezu zeitgleich mit dem »Polizeihubschrauber« auf somerset (LP 676) veröffentlicht. Somerset war eines der damals existierenden Schwester-Labels von EUROPA. Wer sich die Mühe macht, das dort enthaltene »High Society«-Stück nachzuhören, wird feststellen, dass das ansonsten flotte Arrangement das eher getragene »Polizeihubschrauber«-Thema in der Mitte "einkapselt".



»Mr. Poppkorn oder: die Reise nach Rothenburg«



somerset 676

Chor und Orchester der Städtischen Bühnen Dortmund
Dirigent: Heinz Panzer



An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es sich bei der Hörspielmusikfassung nicht um exakt dieselbe Aufnahme handelt wie bei der somerset-Einspielung. Während in der Musical-Version die Melodie wieder in das eigentliche Hauptthema zurückgleitet, endet sie in der Hörspielfassung mit einem Crescendo das einer 1960er Jahre Edgar-Wallace-Filmproduktion aller Ehren wert gewesen wäre. Aber trotz dieses Unterschieds im Arrangement handelt es sich bei der »Polizeihubschrauber«-Fassung um dasselbe einspielende Orchester wie bei der Musical-Aufnahme - so zumindest die bescheidene Meinung des Autors dieses Textes.

Genauere Umstände dazu, wie die Hörspielmusik-Fassung entstanden ist und ob die Musical-Autoren Franz-Josef Breuer (Musik) und Dr. Hartmann Goertz (Libretto) über die Existenz und Verwendung der Hörspielmusik informiert waren, sind und bleiben wahrscheinlich auf ewig ungeklärt.

Nach dem Einsatz im »Polizeihubschrauber« geriet die Musik für einige Jahre in Vergessenheit. Erst 1976 erinnerte man sich wieder daran und setzte sie im Jugendhörspiel »Hanni und Nanni (11) geben ein Fest« ein. Bis 1979 wurde sie dann gelegentlich als Hintergrundmusik und als Geräuscheffekt (in verlangsamtem Tempo) eingesetzt. Dazu zählen unter anderem die Einzelhörspiele »Das Spukhaus« und »Fritz Knitz der Zufallsdetektiv« und einige Folgen der Serien »Die Hexe Schrumpeldei«, »Fünf Freunde« und »Mit Kindern unterwegs«. Mit etwas Verzögerung fand es 1983 noch eine markante Verwendung im Edgar Wallace-Hörspiel »Der Frosch mit der Maske«.

Hörspielkenner mit Ohrenmerk für Musik fragen sich an dieser Stelle womöglich, wie es sich mit den anderen ähnlich klingenden Musikakzenten aus den genannten Hörspielen verhält. Gibt es Hinweise darauf, dass es sich auch hier um Zitate aus dem Musical »Mister Poppkorn« handelt? Dazu sei angemerkt, dass von diesen Themen in der Summe 4 weitere existieren, wobei 2 davon zudem in diversen Tempo- beziehungsweise Arrangement-Variationen aufgenommen wurden. Ein rein akustischer Vergleich dieser insgesamt 10 kurzen Aufnahmen (inklusive der »Polizeihubschrauber«-Titelmusik) legt den Verdacht nahe, dass sie allesamt im gleichen Kontext entstanden sind. Jedoch findet sich auf dem somerset-Album keines der anderen Themen wieder. Daher bleibt die Annahme, es handele sich hier um weiteres Material aus der Feder Franz-Josef Breuers, rein hypothetisch.

Abschließend sei noch gesagt, dass das »High Society«-Thema und seine Kompagnons seit der Jahrtausendwende wieder in den Hörspielmusik-Kanon von neuen Produktionen aufgenommen wurde und sporadisch eingesetzt wird. Mit über 45jähriger "Berufserfahrung" gehört es somit zu den ältesten noch aktiven Veteranen der EUROPA-Hörspielmusik - und es ist nicht ersichtlich, dass es irgendwann "in Rente geschickt" wird.

Jooce





Anmerkung I:

»Polizeihubschrauber im Einsatz« ist nach Angaben Konrad Halvers das erste Hörspiel mit dem EUROPA-Label, bei dem er mitwirkte.





Anmerkung II:

Spätere Auflagen dieses Hörspiels erschienen nicht mehr wie die Erstausgabe unter dem Label »Kinderserie«, sondern innerhalb der »jugendserie«. Erkennbar ist dies an Label der LP und Rückcover. Das Frontcover blieb mit dem einmaligen Zusatz »Kriminalspiel« unverändert.





Anmerkung III:

Auf der Coverrückseite findet sich für die erste Geschichte der (erweiterte) Titel »Polizeihubschrauber im Einsatz - Bankraub!!«.





Anmerkung IV:

Das Cover der Erstausgabe trägt auf der Rückseite den Hinweis: »Neuaufnahmen März 1967«.





Anmerkung V:

Das Cover der Erstausgabe besteht aus fester Pappe und wird an Ober- und Unterkante der Hülle nur durch das dünne Papier, auf welchem das Motiv aufgedruckt ist, zusammengehalten.





Anmerkung VI:

Die beiden Jungs auf dem Cover, die den Polizsten mit vorgehaltener Pistole das Funkgerät wegnehmen und den Hubschrauber kapern, sind die Söhne des ehemaligen Miller-Geschäftsführers Harald Kirsten, Sven und Oliver.





Curiosa - Schichtwechsel:

Gleich zu Beginn der Geschichte »Polizeihubschrauber im Einsatz« hat sich ein Fehler eingeschlichen: Während der Erzähler behauptet, Wachtmeister Krüger sei im Dienst, nimmt gleich danach Wachtmeister Kühn den Anruf entgegen.





Autor:

Achim D. Möller schrieb neben Kinder- und Jugendhörspielen auch als Autor für den Norddeutschen Rundfunk (»Zwischen Hamburg und Haiti«). Die von ihm verfaßten Werke zeichnen sich in der Regel durch einen dokumentarischen Charakter aus. So beschreibt er auch in Kinderhörspielen beispielsweise das Leben Martin Luthers, das Wirken Richard Wagners, die Geschichte des ersten Zeppelins oder wie vorliegend die Arbeit der Polizei in kindgerechter Form.



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