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Kommentar von Carl Mai





»Winnetou kämpft, aber er zählt nicht mehr die Häupter der Gefallenen.«

(Winnetou)




Zur Buchvorlage

Karl Mays Roman »Winnetou der Rote Gentleman. 3. Band« erschien in Buchform erstmals 1893. Dieser dritte Band besteht ebenso wie der zweite aus zwei voneinander unabhängigen Erzählungen. Die Kapitel 1 bis 4 stellen eine Überarbeitung der Erzählung »Deadly Dust« dar, die bereits 1880 in einer Zeitschrift erschienen war. Die Kapitel 5 bis 7 bilden die eingearbeitete Erzählung »Ave Maria«, welche wiederum bereits 1890/1892 in einer Zeitung veröffentlicht worden war und eine Neufassung der Erzählung »Im wilden Westen Nordamerika's« darstellt. Das achte Kapitel schrieb May eigens für die Buchausgabe und brachte damit die sich durch alle drei Bände ziehende Verfolgung Santers zum Abschluss. Ab 1904 ließ Karl May den Titel auf das heute noch verwendete »Winnetou. 3. Band.« verkürzen. 1908 erschien eine illustrierte Ausgabe unter dem Titel »Winnetou III«. Diese Titelkurzfassung, die zudem auch regelmäßig auf den Buchrücken Verwendung fand, hat sich umgangssprachlich durchgesetzt.

In der Romanvorlage trifft Old Shatterhand in der Savanne auf den Westmann Sans-Ear. Gemeinsam verhindern beide einen Indianerüberfall auf einen Eisenbahnzug. An diesem Überfall beteiligt ist auch ein Weißer, der von Sans-Ear ("Ohne-Ohr") als der Mörder seiner Familie - Fred Morgan - identifiziert wird. Dieser kann entkommen und wird von den beiden Westmänner bis in den Llano Estacado verfolgt, wo sie das Beutelager seiner Verbrecherbande entdecken. Dann stößt Winnetou zu ihnen. Zu guter Letzt kann Sans-Ear beide Morgans - Vater und Sohn - zur Strecke bringen.

Nach einem zeitlichen Schnitt setzt die weitere Handlung - und auch das Hörspiel - ein: Old Shatterhand, der sich zwischenzeitlich in Hamburg aufgehalten hat, ist wieder zurück im Wilden Westen. Wiederum geht es um einen Eisenbahnüberfall, den in diesem Fall Weiße (Railtroublers) und Ogellallah verübt haben. Old Shatterhand und sein neuer Reisegefährte, der Detektiv Stephen Moody, genannt Sharp-eye ("Spürauge"), der auf der Jagd nach einem der Railtroublers ist, verlassen den Zug, um die Verfolgung aufzunehmen. Dabei treffen sie auf Winnetou. Zusammen spüren sie die Indianer und Railtroublers auf, unter denen sich auch der von Spürauge gesuchte Lew Monk / Daniels befindet. Diese planen, die Bahnstation Echo zu überfallen. Um dort vor dem Überfall zu warnen, machen sich die Gefährten auf den Weg und erreichen zunächst Helldorf-Settlement, ein Dorf deutscher Auswanderer.

Noch bevor die drei Gefährten das Dorf erreichen, hören sie von einer Anhöhe herunter Kirchenglocken und das Anstimmen eines »Ave Maria«. Dabei handelt es sich um eine Variation, die Old Shatterhand selbst gedichtet und vertont hat. Doch wie kam seine Komposition in den Wilden Westen? Einer der Bewohner - der alte Hillmann - war vor Jahren als Sänger in Chicago an der Premiere beteiligt gewesen und hatte eben diese Version in den Westen getragen. Old Shatterhands ist gerührt; der Apatsche angesichts der "himmlischen" Klänge tief ergriffen. Bei den Bewohnern von Helldorf Settlement handelt es sich hauptsächlich um Steinschleifer, die sich im Wilden Westen einträgliche Funde für ihr Gewerbe versprochen hatten. Auf die Bitte Old Shatterhands hin verrät Winnetou später den Steinschleifern Fundorte für Halbedelsteine - dies jedoch nur unter der Bedingung, das »Ave Maria« noch einmal hören zu dürfen.

Winnetou zieht sich zurück und eröffnet Old Shatterhand später seinen Übertritt zum Christentum. Todesahnungen schwingen mit. Am folgenden Tag brechen die drei Gefährten nach Echo auf. Auf Grund ihrer Warnung vor dem anstehenden Überfall wird dort Verstärkung angefordert. Der Angriff der Railtroublers und Ogellallah wird niedergeschlagen, doch stellt sich heraus, dass zur gleichen Zeit Helldorf-Settlement angegriffen und zerstört worden ist. Die Gefangenen wurden verschleppt. Winnetou schwört Rache.



Mein Kommentar

Das Hörspiel umfasst aus dem Roman »Winnetou III« lediglich die Kapitel 11 bis 14.

Der letzte Teil der Roman-Trilogie wird, obwohl auch hier viel Handlung - nämlich mehr als die Hälfte der Buchvorlage - fortgelassen worden ist, zu schlüssigeren Hörspielen umgesetzt als der zweite Teil. Leider hat man aber auch hier versäumt, der Handlung mehr Tiefe zu verleihen. Dies ist besonders schade, da die Folgen von Teil III wiederum sehr kurz geraten sind und genügend Spielraum beziehungsweise Spieldauer auf den LPs vorhanden gewesen wäre.

So wurde der wichtige Handlungsstrang - Winnetous "Erweckung" zum Christentum durch das Erlebnis des »Ave Maria«-Gesangs und den Aufenthalt in Helldorf-Settlement - auf eine recht unspektakuläre Zwischenstation heruntergedimmt. Old Shatterhand berichtet: »Wir feierten einen Abend, wie ich ihn im Westen noch nicht erlebt hatte.« Auf Grund der Hintergrundmusik im Hillbilly-Stil könnte der Hörer auf eine saloonartige Feststimmung schließen. Tatsächlich verläuft der Abend jedoch sehr beschaulich. Erst im anschließenden Gespräch zwischen Winnetou und Old Shatterhand erahnt der Hörer, dass es hier um mehr geht. Winnetous grüblerischen Quasi-Monolog - Fragen nach Glauben und dem Jenseits an den Blutsbruder - hat Konrad Halver beeindruckend und unnachahmlich umgesetzt.

Auffälligkeiten: Ungewöhnlich ist der Umstand, dass sich Winnetou und Old Shatterhand bei ihrem Zusammentreffen in indianischer Sprache begrüßen und dabei beide sofort die deutsche (englische?) Übersetzung nachreichen, nachdem man bislang ohne jegliches Dolmetschen ausgekommen war. Doch damit folgte man Buchvorlage. Zu erwähnen ist noch ein auffällig langes Ausblenden von Geräuschen am Ende von Seite A.

Das Cover zeigt eine Szene von den Karl-May-Festspielen Bad Segeberg.





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