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Mehr bräuchte man zu diesem Hörspiel auch nicht zu schreiben, um merken zu lassen, dass diese Produktion, wenn man ein
klassisches Märchenhörspiel erwartet, nur enttäuschen kann. Das liegt nicht an der Hörspielfassung von Heikedine
Körting, sondern an der ungewöhnlichen Geschichte aus der Sammlung der Brüder Grimm, die nur fantasievolle Erklärungen
für die Verhaltensweisen einiger Vögel bietet. Warum man dann ausgerechnet diesen Text für ein Hörspiel auswählte und
dagegen andere besser geeignete Märchen aus der B-Liga wie »Die sieben Raben« nie vertonte, bleibt wohl ewig ein Rätsel.
Im Groben geht es darum, dass die Vögel nicht länger ohne Herrscher sein und einen von ihnen zum König erklären wollen.
Dieser soll sich in einem Wettstreit in mehreren Disziplinen qualifizieren. Ein kleiner, bis dahin noch namenloser
Vogel, schafft es, durch Schummelei als Gewinner in den Wettbewerben zu erscheinen. Da seine Unfairness aber nicht
unbemerkt bleibt, soll der Kleine in einer Erdhöhle zur Strafe verhungern. Es gelingt ihm allerdings, auch die
wachehaltende Eule zu überlisten und freizukommen. Da er sich aber nun unter den Vögeln nicht mehr sehen lassen kann,
muss er sich nun an Zäunen und in Hecken verstecken und erhält den Spottnamen "Zaunkönig".
Leider ist auch die Umsetzung viel zu überdreht, und alle beteiligten Sprecher zwitschern, trällern, pfeifen, krähen und
schnattern einfach nur durcheinander und machen das Durchhören dieser Aufnahme sehr schwer. Ja, natürlich, es ist ein
Kinderhörspiel, und die Kleinen werden da schon ihren Spaß daran haben, könnte man sagen. Ich aber sage: Ich hatte die
Platte bereits im Kindergartenalter, und selbst zu diesem Zeitpunkt mochte ich dieses anstrengend laute Hörspiel gar
nicht. Heute, mit den Ohren eines sogenannten Erwachsenen, kann ich der Handlung und Umsetzung natürlich nicht mehr
abgewinnen.
Einzeln betrachtet kann ich den Sprechern keinen Vorwurf machen. Reinhilt Schneider hat in der Titelrolle außer ihrem
»König bin ich! König bin ich!« zwar nicht viel Text, gibt aber eine gute Vorstellung von dem kleinen, frechen
und so doch sympathischen Piepmatz. Dagmar von Kurmin und Bernd Kreibich sind als Hühnchen und Hähnchen ein drolliges
Gespann und Joachim Rake ist die ideale Besetzung für den majestätischen Adler. In der Schlussszene ist dann Marga
Maaßberg als Eule zu hören. Sie gibt mit ihrer tiefen »Schrumpeldei«-Stimme die notwenige Ruhe im Abschluss der ganzen
Schnatterei und lässt tatsächlich einen Hauch von märchenhafter Stimmung aufkommen.
Retten können diese Sprechergrößen die Aufnahme für mich jedoch nicht. Zudem kommt hier noch das schon beim
»gestiefelten Kater« auftretende Problem dazu, dass die Passagen von Andreas Beurmann und Heikedine Körting wiederrum
mit höherer Geschwindigkeit eingespielt wurden. Sind die Texte wie »Wo bleib ich? Wo bleib ich?« des Kiebitzes
und das schon eingangs erwähnte »Tirili!« der Lerche nicht schon so merkwürdig genug, klingt es nun so, als
hätten die beiden Helium eingeatmet oder Schlimmeres.
Drei Mucks für den Kater, einen Gnadenpunkt für die Schlussszene beim Zaunkönig. Ergibt im Durchschnitt zwei Mucks für
die LP.
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