E 2059
Der Faxenmax




Kommentar von Pitichinaccio





»Gut, gut, gut, gut. Das war gern geschehen und macht zehn Mark!«




Eines muß man Doktor Lebertran lassen: für einen Hausbesuch im Rahmen des ärztlichen Notfalldienstes sind seine Preise mehr als zivil - auch, wenn die von ihm ergriffenen Behandlungsmethoden schlichtweg ins Leere laufen. Aber der Reihe nach.

Das vorliegende Hörspiel basiert auf dem gleichnamigen Bilderbuch Eberhard Alexander-Burghs, welches wohl irgendwann in den 1960'er Jahren erschienen sein dürfte. »Der Faxenmax« reiht sich damit in die Gruppe derjenigen Geschichten Burghs ein, die vor Veröffentlichung eines EUROPA-Hörspiels bereits durch andere Medien bekannt wurden. Es sind dies weiterhin »Kapt'n Buddelrum«, »Die Lügenprinzessin« sowie »Hui Buh das Schloßgespenst« (von Letztgenannten nur die Erlebnisse der ersten Folge). Erst später ging man in der Kooperation mit dem Autor dazu über, Kindergeschichten von ihm als Hörspiel schreiben zu lassen, um sie später als Buch zu veröffentlichen.

So werden - ähnlich dem Aufbau von »Max und Moritz« - in einer Bildergeschichte Maxens Erlebnisse geschildert, welche er mit einer geschnittenen Grimasse hat, die nicht wieder verschwinden will. Den meisten Kindern dürfte die Drohung der Erwachsenen bekannt gewesen sein, keine Grimassen zu schneiden, wenn die Uhr Zwölf schlägt, denn dann würde das Gesicht in diesem Ausdruck erstarren. Nun, auch wenn ich nicht wirklich an eine derartige Wirkung von Uhren glaubte, so ganz geheuer war mir die Sache auch nicht. Und daß Max in der hier erzählten Geschichte genau dies widerfährt, entkräftete meine Zweifel nicht gerade.

Die von dem Clown Purzelbaum abgeschaute Grimasse beschert Max eine Menge unerfreulicher Situationen, sodaß er sich schließlich wünscht, wieder ein normaler Junge zu sein. Während Maxens Eltern außer der Alarmierung des besagten Doktor Lebertran keinen Rat wissen, kommt Hilfe durch die kluge Tante Ottilie. Sie empfiehlt, die Uhr auf den Kopf zu stellen und so die Uhr rückwärts schlagen zu lassen. Gesagt, getan, erledigt.

Das Hörspiel stammt aus dem Jahr 1973 und zählt somit zu den ganz frühen Regiearbeiten Heikedine Körtings. Sieht man einmal von dem zum Teil recht miserablen Klang der Aufnahmen ab (es scheinen schlichtweg die Bässe zu fehlen), so präsentiert sich dem Hörer eine kurzweilige Aufnahme mit klugen Texten und einem engagierten Sprecherteam. (Wer die Besetzungslisten vergleicht, wird feststellen, daß die halbe Truppe der Perry-Rhodan-Produktion »Aufruhr in Terrania« versammelt ist.) In gewisser Weise ist die Zusammensetzung des Ensembles geradezu urtypisch für die seinerzeitige Produktionsphase:

Hans Paetsch als Erzähler, Marga Maasberg als alte Tante, Reinhilt Schneider als Mutter, Reiner Brönneke in einer autoritären Nebenrolle, Andreas Beurmann als dritter Polizist von links mit einem Mini-Auftritt und als "Dauerkind" der frühen 1970'er Jahre Stephan Chrzescinski. Den kleinen Hörer erwarten vielleicht keine überragenden Momente, aber durch die unaufdringliche Routine der Sprecher wirken die Geschehnisse - abgesehen von dem "Grimassenfluch" an sich - wie aus dem Leben gegriffen ... und das ist durchaus als aufrichtiges Kompliment gemeint.

Man darf wohl mit Fug und Recht sagen, daß es Produktionen wie diese waren, die auf den Pionierleistungen Konrad Halvers aufbauten und den Katalog mit hörenswerten Produktionen erweiterten. Auf dem damals aufblühenden Hörspielmarkt versuchte man durch die Anbringung eines "Qualitäts-Hinweises" auf dem rückwärtigen Cover, die Kaufbereitschaft der Erwachsenen zu steigern und zu dokumentieren: »Ja, unsere Schallplatten sind zwar preiswert, aber nicht billig!« - und aus meiner Sicht kann ich nur bestätigen, daß dieses Versprechen eingehalten wurde.



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