E 2102

Die lustigsten Lieder der Fernsehserie
und andere Songs




Kommentar von Pitichinaccio





»Ist es nicht ein Riesenspaß,
wenn man dem Vater hilft?«




Achtung, Spoiler: nein, ist es nicht.

Ich konnte jedenfalls meinem Vater nie etwas recht machen, wenn ich zu irgendwelchen Hilfeleistungen gezwungen wurde. Und auch sonst warf und wirft diese Kinderserie aus den frühen 1970'er Jahren mehr Fragen auf, als sie klärt. Warum trägt der Vater rosa? Ist die Mutter ein Gothic? Warum ist nur eines der Kinder (Barbabo) behaart? Gründet sich diese Ausnahme auf einen Migrationshintergrund oder hatte Barbamama wilde Nächte innerhalb der Gruftiszene, die dem Zuschauer nur im Rahmen der ungeschnittenen Serie gezeigt werden? Dann würde ich die jetzt gerne mal sehen.

[X] Ich bin über 18 und mit allem einverstanden.

Nun, jede Zeit hat ihre Besonderheiten, die nach Jahren bisweilen skurril anmuten, aber diese Gummifamilie war schon 1974 ein Phänomen. Alle Familienmitglieder waren in Sekundenschnelle in der Lage, sich in irgendwelche Geräte oder andere Hilfsmittel zu verwandeln, aber keiner von denen hatte Beine. Was war da los?

Gesungen (oh ja, und es wurde viel gesungen) und gesprochen wurde die komplette Serie seinerzeit von Peter Kirchberger, der wirklich alle Rollen übernahm. Und so sehr ich Herrn Kirchberger auch schätze - man denke nur an seinen epochalen Don Schnulze aus der »Sesamstraße« -, wirkte dieses Vorgehen selbst für einen durch das Gezeigte leicht paralysierten jungen Zuschauer doch ein wenig billig.

Hinzu kamen die Lieder, welche allein durch ihre Existenz die ohnehin skurrile Handlung ungeschickt in die Länge zogen und durch ihre plumpen Texte den Kindern die Weisheiten und Verhaltensregeln der antiautoritären Erziehung in Hirn meißeln wollten. Welches Kind half denn bitte seinem Vater gern? Ich für meinen Teil wollte mit Lego oder Nopper spielen, dabei Hörspiele hören und meine Ruhe vor den Erwachsenen haben. Und auch aus heutiger Sicht muß ich sagen, daß ich das bei einem Kind auch für eine durchaus gesunde Einstellung halte.

Und was dabei herauskommt, wenn man in der frühen Entwicklungsphase zuviel »Barbapapa« geguckt hat, kann man ja bei den »Funkfüchsen« beobachten: die gehen erst richtig ab, wenn sie bei Herrn Jeitz abdecken, abwaschen, die Wäsche bügeln und den Rasen gießen dürfen. Ja, schöne Grüße aus dem rosa Gummiland!

Waren die originalen Lieder der Serie (die man hier nur in einer Coverversion präsentiert bekommt) schon nervtötend, so scheute man sich im Hause Miller wie üblich nicht, auch diese Aufnahme durch hauseigene Produktionen auf LP-Länge zu strecken. So haben bei der vorliegenden Produktion fünf von zwölf Nummern nichts, aber auch gar nichts mit dieser seltsamen Familie zu tun. Schon bezeichnend, wenn bei den »lustigsten Liedern aus der Fersehserie« das Pulver nach sieben Einlagen verschossen ist.

Allerdings muß man zugeben, daß das Lied über das Pferd, welches sich in der Kneipe betrinkt, irgendwie schon wieder in diese Welt paßt, die man sich nur nach breitgefächertem Konsum von halluzinogenen Pilzen ausdenken kann.

Nebenbei: hat Barbaletta ihrerseits auch schon ein Barbababy im Arm oder wie soll die kleine Figur gedeutet werden, welche das orange Mädchen auf dem Cover bei sich hat?

Fazit: von der Einordnung her gehört diese Aufnahme sicherlich zum Kinder- und Jugendprogramm aus dem Hause Miller. Wenn man aber bedenkt, mit welcher Qualität in den Jahren 1968 bis 1971 Hörspiele unter der Ägide von Konrad Halver entstanden waren, so ist man durchaus gewillt, die LP etwas abseits von der Sammlung aufzubewahren.





Bewertung: