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Kommentar vom alten Wagner




Dieses Hörspiel ist in vielerlei Hinsicht etwas ganz Besonderes:

Hannes Messemer als Erzähler gab es bei EUROPA nur ein einziges Mal. Und dann macht er dies bei seiner Premiere auch gleich ausgesprochen gut, und man fragt sich, warum er nicht öfter bei EUROPA eingesetzt wurde. Der Hörer wird bereits mit seinen ersten Sätzen direkt mitgenommen in die Geschichte.

Edgar Ott hat hier seinen einzigen Auftritt in einer Hauptrolle bei EUROPA. So berühmt und liebenswürdig diese Stimme auch als Benjamin Blümchen ist, so mehr muss man seinen Auftritt als Rumpelmuck loben. Weder als Kind, noch heute im fortgeschrittenen Alter hatte beziehungsweise habe ich nie das Gefühl, dass hier ein großer, grauer Elefant durchs Haus spukt.

Es ist eines der allerletzten EUROPA-Einzelhörspiele und auch das letzte Einzelhörspiel, das der großartige Eberhard Alexander-Burgh verfasst hat.

Und dann ist es auch eines der ganz wenigen Hörspiele aus der »ab 3 Jahre«-Serie, das ich immer mochte und bis heute gerne höre - und das hat seine Gründe:

Als erster Grund wäre die durchgehend exzellente Besetzung aufzuführen. Neben den bereits erwähnten Hannes Messemer als Erzähler und Edgar Ott in seiner Rolle als Rumpelmuck begeistern mit Wolfgang Draeger und Elke Reissert zwei gewohnt-hervorragend agierende Eltern der beiden Kinder Marek Harloff und Alexandra Doerk. Wenn dann noch Hans Hessling als Uhrmacher im Souterrain des Hauses wohnt und Katharina Brauren in ihrer Rolle als Tante Olga zu Besuch kommt, schnalzt der EUROPA-Kenner begeistert mit der Zunge und freut sich auf einen 30-minütigen Hörgenuss. Wenn ich in diesem Ensemble noch jemand besonders hervorheben kann, dann muss wirklich eine außergewöhnliche Leistung erbracht worden sein und dies ist hier der Fall. Der zum Zeitpunkt der Aufnahme erst elfjährige Marek Harloff spielt derart souverän, dass man stellenweise Szenenapplaus geben möchte für diese Leistung.

Der zweite Grund für meine Zuneigung zu diesem Hörspiel ist dann die niedliche Geschichte, die zwar nicht frei von Klischees bleibt, aber herrlich zu unterhalten weiß: Familie Maximus zieht in ein neues Haus und erfährt von ihrem Untermieter, dem Uhrmacher Wunderlich, dass es im Haus spuken soll. Nach einigen kleineren, aber für die neuen Bewohner unerklärlichen Missgeschicken lernen die Kinder den Grund dieser nur scheinbaren Unfälle kennen, den Hausgeist Rumpelmuck. Als dann die ungeliebte Tante Olga zu Besuch kommt, übernimmt Rumpelmuck schließlich den Rauswurf der Tante beziehungsweise enttarnt ihr falsches Spiel ...

Zusammen mit der immer passend ausgesuchten Musik und dem flotten Tempo in der Erzählung ergibt sich so ein wirklich schönes Kinderhörspiel, welches keinen Literaturpreis erwarten darf, aber das für mich seit jeher ein spätes Highlight im Vinyl-Kanon von EUROPA darstellt. Am Ende des Hörspiels wurde sogar noch die Tür für weitere Geschichten mit Rumpelmuck aufgemacht, durch die dann jedoch in den folgenden Jahren leider niemand mehr hindurch ging.

Schade drum!

Mach's gut, altes Gespenst, und grüß mir die Zeit, in der ein "von Oma" erhaltenes, neues Hörspiel für Tage eine neue Welt darstellte und nicht vom Plattenteller genommen wurde ...





Bewertung:






Appendix:


Nun, lieber alter Wagner, die Frage, warum von Rumpelmuck nichts mehr gehört wurde, lässt sich leicht beantworten. Allem Anschein nach war ein sogenannter "Geisterjäger" namens John Sinclair auf die Spur des in der Standuhr wohnenden Geistes gekommen und hatte Geist und Uhr in seinem 155. Abenteuer dann relativ bald nach den Ereignissen mit der Familie Maximus den Garaus gemacht, nachzuhören in:





Tonstudio Braun:
»Geisterjäger John Sinclair - Die Teufelsuhr«

(Cassette JS 155, circa 1982)