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Fünf Freunde

7

verfolgen die Strandräuber




Kommentar vom alten Wagner





»Hereinspaziert! Hereinspaziert!«

(Julian)




Diese Folge war zum einen meine erste gehörte Folge der »Fünf Freunde«-Serie und ist gleichzeitig auch in meinen Augen die beste Folge der ganzen Serie; steht sie doch beispielhaft für alles, was die Abenteuer der »Fünf Freunde« auszeichnet:

• Ferien an der See ✓
• in Verbindung mit Geheimgängen, ✓
• Blinkzeichen, ✓
• nächtlichen Erkundigungen ✓
• und einem alten Turm hoch über dem Meer ✓

Ferner findet in dieser Folge eine durchaus logische Verzahnung zweier Handlungsstränge statt; auch dies ist eine Seltenheit bei Enid Blyton, die ansonsten für sehr gradlinig erzählte, eher eindimensionale Geschichten bekannt ist (was keine Kritik sein soll). All die aufgeführten Punkte mögen gefühlt in jeder Folge der Serie in irgendeiner Form Hauptbestandteil der jeweiligen Geschichte sein, aber hier geben sie in Verbindung mit der tollen Besetzung, der erzählten Geschichte und dem Ort der Handlung ein wirklich sehr rundes Bild ab.

Zur Handlung:

Die Fünf Freunde verbringen die Sommerferien auf einem Bauernhof an der Küste Cornwalls im Südwesten Englands. Dort kündigt sich gerade der Höhepunkt der Sommersaison an: »Die Scheuner kommen!«. Eine Art fahrender Zirkus, der auf dem Land bzw. in den Scheunen von Bauernhöfen sein Zirkusprogramm aufführt. Dass es sich dabei für die Gegend um eine echte Sensation handelt, wird zu Beginn der Geschichte von einer zufälligen Reisebekanntschaft (Joachim Wolff mal wieder in Doppelbesetzung) im Zug erläutert, der den 5 die Umgebung an ihrem Urlaubsort beschreibt mit den Worten: »Ziemlich einsame Gegend! Kein Badebetrieb, kein Kurort, keine Konzerte, kein Kino, noch nicht einmal ein bisschen Eis für Euch!« Tja, wer will da nicht seine Ferien verbringen ...?

Gottseidank erfahren die 5 vor Ort von angeblichen Schmugglern, den sogenannten Strandräubern, die es immer noch geben soll. Hier wird ihnen von einer weiteren Bekanntschaft, Jan (im Hörspiel immer »JEN« ausgesprochen) bzw. Jans Großvater Näheres erzählt und in diesem Moment schlägt mal wieder die Stunde von Gottfried Kramer! Sein rund einminütiger Monolog in der Rolle von Jans Großvater über das Treiben der Strandräuber an der Küste Cornwalls beginnt mit den verheißungsvollen Worten: »Es ist nichts so böse, als dass Menschen es nicht tun!« und hinterließ mich schon als 7-jähriger schwer beeindruckt und begeistert bis heute ...

Daraufhin entwickeln sich auf der zweiten LP-Seite die vermeintlich üblichen Ereignisse einer »Fünf Freunde«-Geschichte mit nächtlichen Erkundigungen und den eingangs erwähnten Zutaten wie Blinkzeichen, Geheimgängen & Co. Aber das in einer so dichten Atmosphäre und kompakten Erzählweise, dass man als Zuhörer am Ende der Geschichte wirklich "ein Abenteuer miterlebt hat" und die Platte begeistert wieder in die Hülle schiebt. Dass bei analytischer Betrachtung der Titel eigentlich etwas irreführend ist und gar keine Strandräuber verfolgt, geschweige denn gefasst werden, ändert nichts an einem ganz starken Hörspiel!

An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen und mit einem weit verbreiteten Irrglauben über die »Fünf Freunde« aufräumen: "Quasi jede Folge spielt auf der Felseninsel und wieso dann eigentlich Folge 12 mit dem Titel »Fünf Freunde auf der Felseninsel«? Die Wahrheit: Im klassischen Kanon der 21 Folgen umfassenden EUROPA-FF-Serie gibt es in Folge 5 erstmalig Szenen auf der Felseninsel, jedoch ist George hier alleine vor Ort. Danach ist es dann tatsächlich besagte Folge 12, die erstmalig auf der Felseninsel spielt. Anschließend spielen nur noch Folge Nr. 18 und Nr. 20 auf der besagten Felseninsel. Macht in Summe also rund 3,5 Folgen von 21 auf der "dauerpräsenten Felseninsel".

Da diese LP aber auf meinem Plattenspieler seit nunmehr bald 40 Jahren eine Art Dauerpräsenz auf dem Plattenteller hat (ich höre wirklich keine andere Folge der Serie so oft), kann ich nur zur Höchstwertung greifen und 5 Mucks für »Fünf Freunde verfolgen die Strandräuber« vergeben!





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