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Flash Gordon

Der Superstar im Reich der Sterne




Kommentar von Pitichinaccio





»Willkommen bei McDonalds!
Ihre Bestellung, bitte!«




Gut, zugegeben, diese Textzeile kommt nicht wortwörtlich in den »Flash Gordon«-Hörspielen vor, aber irgendwie sind für mich die Abenteuer um den Weltraumhelden mit der Dieter-Bohlen-Gedächtnis-Frisur das Schnellrestaurant unter den Hörspielen: Einfache Zutaten, ein äußerst überschaubares Ergebnis sowie eine nur kurzzeitig eintretende Befriedigung der Sinne ... und trotzdem gibt es Momente, in denen man nichts anderes will als genau diesen billigen Genuss.

Die erste Hörspielepisode folgt dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1980: Flash Gordon, Dale Arden und Dr. Hans Zarkov begegnen nach einer Bruchlandung auf dem Planeten Mongo ihrem späteren Erzfeind, dem Imperator Ming. Was uns die akustische Umsetzung des Science-Fiction-Stoffes aus den 1930'er Jahren verschweigt: Zuvor hatte besagter Dr. Zarkov den Polospieler Flash und das Blondchen Dale kurzerhand gezwungen (!), die von ihm konstruierte Rakete zu besteigen, um mal kurz die Erde zu retten. Im Verlauf der Handlung schart man nun Mings Gegner um sich und besiegt schließlich den Bösewicht im finalen Kampf ... wer hätte es kommen sehen?

Die Hauptcharaktere könnten dabei nicht holzschnittartiger gezeichnet sein: Flash Gordon kann alles und besiegt natürlich jeden Gegner. Begleitet werden die Kämpfe des etwas hohlbirnigen Polospielers von ... ja, wie soll man sie nennen? ... flotten? ... Sprüchen, die jeden vernünftigen Menschen den Kontakt zu Flash sofort abbrechen lassen würden. Dale Arden hingegen ist keine Pfütze zu flach und kein angreifendes Tier zu klein, um nicht ständig hysterisch nach Flashs Hilfe zu schreien. Dr. Zarkov ist wiederum so genial, dass er aus dem Drüsensekret einer arborianischen Springspinne eine Atombombe bauen könnte. Und Imperator Ming ist das Abziehbild eines Tyrannen mit schwarzem Spitzbart und andauerndem höhnischen Gelächter. Fast möchte man singen:



Natürlich stehen die Weltraumfrauen Schlange in der Hoffnung, einmal von Gordon richtig geflasht zu werden: Dale Arden, Prinzessin Aura, Prinzessin Carmen, Königin Fria und so weiter. Aber unser Held hält treu zu seinem kleinen Kreischerchen Dale und scheint zu allem Überfluss gar nicht mitzuschneiden, was die eifersüchtigen Frauen um ihn herum für ein Unheil anrichten, nur um ihn mal ohne Muskelshirt, Lederhose und Stulpenstiefel sehen zu können. (Dabei fällt mir auf: Hat der Kerl eigentlich gar keine Klamotten zum Wechseln dabei?)

Aber Flash hat gar keine Zeit, sich um die verliebten Girlies zu kümmern, denn er hat einen Feind, den man schwerer loswird als den Windschutzscheiben putzenden Punk neben der Ampel an der Kreuzung Holstenstraße / Stresemannstraße. Kein noch so deutlich artikuliertes und gestikuliertes "Nein, ich will nicht, ich habe Scheibenwischer!" hält den Kollegen davon ab, seiner völlig sinnlosen Tätigkeit nachzugehen, um dann die absolut überflüssige Bezahlung einzufordern. Und genau so muss sich Flash Gordon stets aufs Neue mit Imperator Ming herumschlagen, den er zwar immer wieder umbringt, aber der an der nächsten Kreuzung - pardon: auf dem nächsten Planeten - schon wieder bereitsteht, um dem intergalaktischen Drachentöter auf den Keks zu gehen.

Aber ich mag das Zeugs ... also, sowohl das aus dem Schnellrestaurant, wie auch das vom Planeten Mongo. Die Besetzung der Reihe ist großartig, und so eindimensional die Figuren auch sind: Lutz Mackensy (Flash Gordon), Heidi Schaffrath (Dale Arden), Gottfried Kramer (Dr. Zarkov) und Jürgen Thormann (Imperator Ming) sind das Thekenpersonal, um einem das eigentlich recht billige Essen anzudrehen. Die Musik, nicht minder plakativ als die Handlung und ihre Figuren, ist aus den Hörspielen gar nicht wegzudenken. Alles ist so berechenbar ... und so verdammt ansprechend.

Von den zehn Folgen, die nur bis zum sechsten Abenteuer auf Schallplatte erschienen, sind in meinen Augen die Folgen (1), (5) und (9) die Big Mäcs im Programm, aber auch die anderen Folgen bieten einen ebenso einfachen wie unverwüstlichen Genuss. Schade, dass die Serie bei offenem Handlungsende mit dem »Tor des Unheils« endete.

Und jetzt hab' ich schon wieder Appetit ...





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