115 727.2
ein Fall für
TKKG

10


Alarm im Zirkus Sarani




Kommentar vom alten Wagner

Mit einem schönen Gruß an meinen ehemaligen Nachbarn
Dirk Rettberg und die lustigen Abende auf unseren Balkons!





Nachdem ich mich in meinem zuletzt verfassten Kommentar über die »Langeweile bei den Vogeljägern« ausgelassen habe, kann man bei vorliegender Folge nun gleich zu Anfang sagen: "Hier stimmt nun wieder alles im »TKKG«-Universum!"

Es gibt lustig-skurrile Verbrecher, wilde Wendungen und Wirrungen sowie einen schönen Rahmen als Ort der Handlung. Über allem liefert hier Lothar Grützner in seiner Rolle als Erwin Hibler den besten Auftritt seines Schaffens bei EUROPA ab. Er ist wirklich permanent sowas von herrlich-extrem schlecht gelaunt, dass man ihn am liebsten mit Onkel Quentin oder Herrn Perton von den »Fünf Freunden« bekannt machen möchte.

Gleich zu Beginn der Geschichte treffen Klößchen und Tarzan vor einem Supermarkt auf besagten Hibler, und sofort gibt es Zoff zwischen ihm und Tarzan. Ich hatte als Kind witzigerweise immer Karl Dall vor meinem geistigen Auge, wenn Lothar Grützner in diesem Hörspiel loslegt. Warum, weiß ich bis heute nicht. Im Supermarkt entdecken unsere zwei Freunde dann ein Gurkenglas, das mit ausgeschnittenen Buchstaben aus einer Zeitung beklebt ist. Dieser Text lautet:



Achtung! Dieses Gurkenglas enthält Cyankali! Wenn die Leitung der Supermarktkette Einkaufsland unsere Forderungen erfüllt, werden keine weiteren Lebensmittel vergiftet. Wir fordern 100.000 DM und werden telefonisch mitteilen, wann und wo das Geld zu übergeben ist. Sollten Sie sich weigern, werden wir in den verschiedenen Einkaufslandzweigstellen zahl­reiche Lebensmittel vergiften. Sie wissen was das bedeutet: Niemand wird mehr wagen, etwas im Einkaufsland zu kaufen.


Na, das wirft doch mal Fragen auf!

1.

Wie lange hat das Täterehepaar Klemm wohl gebraucht, um diesen ganzen Text aus einer oder wohl eher 20-30 Zeitungen auszuschneiden? Ich hoffe für beide, dass das Wort "Einkaufslandzweigstellen" durch Zufall gerade im "Millionenstadt-Kreisboten" am Stück abgedruckt war, als sich die Klemms abends gemütlich bei Rotwein und Salzstangen an die Zeitung-Gurkenglas-Kleberei machten ... sonst bastelt man sich ja schon an diesem einzelnen Wort zu Tode.

2.

Wie groß sind im Einkaufsland eigentlich die Gurkengläser? Das ist ja nun wahrlich nicht so wenig Text und selbst mit kleinsten Buchstaben wird das irgendwann schwer zu platzieren!


Was dann folgt, ist der zweite Auftritt von Erwin Hibler bei der Befragung durch Kommissar Glockner im Zirkus. Erneut brilliert besagter Hibler in hervorragend schlechter Laune: »Vielen Dank für Deinen Freundschaftsdienst! Du kannst Dich darauf verlassen, dass ich mich revanchieren werde! Tarzan! Pffuääh!« Das würde der Staatsanwalt wohl glatt als Bedrohung durchgehen lassen (§ 241 StGB).

Gleicher Ort der Handlung, nächste Szene, nächste Spitzenleistung eines Sprechers in einer vermeintlichen Verbrecherrolle. Gottfried Kramer aka Wolfram Watzl betritt das Abenteuer und beklagt lauthals und ebenfalls bestens-schlecht gelaunt den Verlust seiner Brieftasche und vermutet Diebstahl. Die dazu gerufene Polizei präsentiert sich dann als überaus höflich aber sprachlich arg ungelenk. Original-Text von Obermeister Meyr: »Obermeister Meyr! Na, Herr Rettberg, um was geht es denn?«

Also bitte! Welcher gerufene Polizist stellt sich beim Eintreffen am Tatort mit seinem Namen vor und gibt sich dann indirekt als Bekannter des Zirkusdirektors aus (schließlich nennt Herr Meyr diesen sofort beim Namen)? Vielleicht ist Herr Meyr aber auch mit Nelly Town aus den »drei ??? und die gefährliche Erbschaft« verheiratet. Auch diese betritt die dortige Szenerie mit den Worten: »Ich bin Nellie Town, mein Mann lebt nicht mehr!« Als Kind wollte ich dann immer dazwischenrufen: »Ich bin der alte Wagner und spiele gerade mit fischertechnik!«

Aber zurück zum Zirkus: Hier trifft erneut Kommissar Glockner ein (warum eigentlich genau?) und erzählt, dass neben der Cyankali-Supermarkt-Erpressung ein noch viel größerer Erpressungsfall vorliegt. Die Stadt wird damit erpresst, dass man das Grundwasser mit Acetonitril vergiften werde, wenn die Stadt nicht eine Million Mark zahlen werde.

Wer nun etwas den Überblick verliert:



Verbrechen:


Gelddiebstahl

aktuell verdächtig:

"die Zirkusleute"

Druckmittel:

Rumgebrüll

kommuniziert durch:

Wolfram Watzl


Verbrechen:


Supermarkt-Erpressung

aktuell verdächtig:

noch niemand

Druckmittel:

Cyankali

kommuniziert durch:

ein Gurkenglas


Verbrechen:


Stadt-Erpressung

aktuell verdächtig:

laut TKKG: Erwin Hibler

Druckmittel:

Acetonitril

kommuniziert durch:

Anruf beim OB der Stadt


Watzl wird dann sehr schnell als spielsüchtig, spielschuldenbehaftet und der Vortäuschung eines Verbrechens enttarnt bzw. überführt. Zack! Thema durch, nächster Vorgang bzw. zurück zur Gurkenglas- und zur Stadterpressung!



Verbrechen:


Gelddiebstahl

Täter:

Wolfram Watzl

Druckmittel:

Rumgebrüll

kommuniziert durch:

Wolfram Watzl


Verbrechen:


Supermarkt-Erpressung

aktuell verdächtig:

noch niemand

Druckmittel:

Cyankali

kommuniziert durch:

ein Gurkenglas


Verbrechen:


Stadt-Erpressung

aktuell verdächtig:

laut TKKG: Erwin Hibler

Druckmittel:

Acetonitril

kommuniziert durch:

Anruf beim OB der Stadt


Im Supermarkt wird dazu passend gerade die Übergabe der 100.000 DM vorbereitet. Bei eben dieser Übergabe wird dann Ehepaar Klemm als Täter überführt.

Schön ist dabei der offensichtliche Skriptfehler beim Umarbeiten der Buchvorlage durch Herrn Francis. Tarzan: "Wenn es nun gar nicht auf HIBLER ankommt, sondern auf den Wagen?!" Ausnahmsweise ist der besagte Erwin Hibler hier nun nicht gemeint, sondern Herr Klemm, aber Herr Francis hatte wohl zwischen Kaffee, Telefon und Mittagessen an der Schreibmaschine etwas den Überblick verloren und keinerlei Übersichtstabelle gepflegt ... Gott sei Dank behält Tarzan den Überblick und enttarnt Ehepaar Klemm quasi im Alleingang. Also, auch das Thema hätten wir dann! Status Quo:



Verbrechen:


Gelddiebstahl

Täter:

Wolfram Watzl

Druckmittel:

Rumgebrüll

kommuniziert durch:

Wolfram Watzl


Verbrechen:


Supermarkt-Erpressung

Täter:

Ehepaar Klemm

Druckmittel:

Cyankali

kommuniziert durch:

ein Gurkenglas


Verbrechen:


Stadt-Erpressung

aktuell verdächtig:

laut TKKG: Erwin Hibler

Druckmittel:

Acetonitril

kommuniziert durch:

Anruf beim OB der Stadt


Jetzt kommt es zur Überführung des allgemein verdächtigten Hibler und der Ernennung eines Super-Verbrechers in Gestalt von Wolfram Watzl! Denn Hibler UND Watzl sind als DAS Super-Verbrecher-Duo schlechthin, die Täter hinter der Stadt-Erpressung! Nebenbei: Wieso musste Watzl für seine Straftat der "Vortäuschung eines Verbrechens" eigentlich nicht gleich ins Gefängnis? Langt das nicht? Egal, hier das Ergebnis des 40minütigen Ritts durch die Folge 10:



Verbrechen:


Gelddiebstahl

Täter:

Wolfram Watzl

Druckmittel:

Rumgebrüll

kommuniziert durch:

Wolfram Watzl


Verbrechen:


Supermarkt-Erpressung

Täter:

Ehepaar Klemm

Druckmittel:

Cyankali

kommuniziert durch:

ein Gurkenglas


Verbrechen:


Stadt-Erpressung

Täter:

Hibler & Watzl

Druckmittel:

Acetonitril

kommuniziert durch:

Anruf beim OB der Stadt


Zu erwähnen bleibt noch, dass Tarzan in dieser Folge nicht einen einzigen Verbrecher, Mitschüler, Rentner oder unbeteiligten Passanten vermöbeln muss. Was ist denn da los? Kann so eine Folge überhaupt überzeugen? Ja! Das kann sie!





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