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ein Fall für

Die Falschmünzer vom Mäuseweg




Kommentar vom alten Wagner





»Warst du das? Hast du mich geschlagen?«

(Herr Rickemann zu Gaby)




Was für ein umfangreiches Paket an Delikten hat Herr Wolf hier nur auf die schmalen Schultern seiner Protagonisten gelegt! Gernot Plasch (charakterisiert als »Rotschopf«), Fritz Zoppig (»der Krumbeinige«), Otto Bruchdrexel (»ein brutales Raubvogelgesicht«) und Edwin Kowalske (Diese Namen! Herrlich!) müssen hier wirklich für eine ganze Latte an Straftaten und Klischees herhalten: Handtaschenraub! Postdiebstahl! Vandalismus! Falschmünzerei! Dies zeigt mal wieder, welche Ideenflut Herr Wolf scheinbar zu Beginn seiner Serie hatte. Heute würden diese Straftaten jeweils für sich mindestens eine ganze Folge alleine tragen müssen.

Doch wenden wir uns wieder den Rockern zu:

Zu Beginn der Geschichte erleben wir, wie unsere 4 Freunde einen Zug besteigen wollen, am Gleis eine unangenehme Begegnung mit besagten Rockern haben und dann den eben erwähnten Zug vollkommen zerstört vorfinden (Gaby: »Vandalen haben hier gehaust!«), um danach im Hause Sauerlich zu erfahren, dass scheinbar genau diese Rocker Frau Sauerlich auf offener Straße (Was ist eigentlich eine geschlossene Straße?) um ihre Handtasche erleichtert haben.

Im Hause Sauerlich erklärt dann der ebenfalls zufällig anwesende Kommissar Glockner oder, nein ... besser: Kommissar Zufall ... halt, auch nicht, also wieder der Erste: Kommissar Glockner, dass eine Geldfälscherbande derzeit die Stadt unsicher macht. Und wie es der Zufall so will, treffen Tarzan und Klößchen im Internat dann im Anschluss auf ihren Mitschüler Jürgen Andresen, der ein Bündel Hundertmarkscheine gefunden hat. Ist jetzt eigentlich einer der Lesenden überrascht, dass Tarzan sofort bemerkt, dass es sich dabei um Falschgeld handelt?

Wenn man beim Genuss dieses Hörspiels eine Stoppuhr mitlaufen lässt, stellt man nun bei einem Blick auf die selbige fest, dass all dies in genau 10 Minuten in 20 Sekunden passiert ist beziehungsweise erzählt wird (inklusive Titelmusik)! Das nenne ich mal Tempo!

Zurück zu den Rockern Plasch, Bruchdrexel und Zoppig:

Diese werden im Hauptquartier von ihrem vermeintlichen Chef Edwin Kowalske gemaßregelt weniger »Autoantennen abzubrechen«, um sich mehr auf »DEN Bankraub« zu konzentrieren. Besonders hörig scheinen diese ihrem Chef aber nicht zu sein, denn bereits in der nächsten Szene wird Gaby Zeuge, wie besagte Rocker dem Briefträger Paul Rickemann die Posttasche stehlen. Gaby kennt diesen scheinbar persönlich und eilt ihm nach dem Raub zu Hilfe. Gaby kennt aber endlich mal jemanden nicht bestens - wie sonst immer - aus dem Schwimmklub, und Herr Rickemann fragt allen Ernstes die Glockner-Göre, ob sie ihn geschlagen habe! Gibt's denn sowas? Herr Rickemann weiß wohl nicht, wen er da vor sich hat!

Dieser Überfall haut dann (Zitat Tarzan) »den stärksten Eskimo vom Schlitten«, wird aber nicht weiterverfolgt, und unsere 4 möchten sich mit Hilfe von Kommissar Zufall dort umsehen, wo Jürgen Andresen das Falschgeld gefunden hat. Die geklaute Posttasche von Herrn Rickemann wird unterdessen von Rockerchef Kowalske eher gelangweilt untersucht, als ein Brief in derselbigen gefunden wird, der ein Falschgeld-Tauschgeschäft auf plumpeste Art und Weise ankündigt ... Das will man sich nicht entgehen lassen und möchte etwas von dem beschriebenen Geschäft abhaben.

Währenddessen treffen unsere 4 Freunde am Fundort der gefälschten Hunderter dann tatsächlich und zur allgemeinen Überraschung einen Herrn, der sich auffallend umsieht und etwas sucht. Hierbei handelt es sich um Ferdinand Marker (ab jetzt nur noch »Nussknacker« genannt), einen der Geldfälscher. Es geht dann in der Geschichte fröhlich weiter mit dieser Aufreihung von Zufällen, bis am Ende die Geldfälscherbande von Tarzan in ihrem Hauptquartier aufgemischt wird und Herrn Glockner zum x-ten Mal wieder nur die Verhaftung der frisch verdroschenen Gangster übrigbleibt.

Tja, was bleibt: Eine »TKKG«-Geschichte, die derart vollgepackt ist mit Ereignissen, dass der geneigte Zuhörer und auch der alte Wagner hier an den Tasten am Ende entgeistert auf die Gesamtspielzeit von nur gut 40 Minuten schaut! Wie lang wäre diese Geschichte wohl als Folge 285 geworden? Sicherlich im Mindesten ein Dreiteiler, der durch endlose Dialoge und unsinnigste Nebenhandlungen zur heute so üblichen Langatmigkeit gestreckt worden wäre! Ein Hoch auf den Beginn dieser Serie, die ich als Kind für ihre unterhaltsamen Geschichten in den Folgen 1-21 so geliebt habe und deren besagte frühen Folgen heute vor allem durch ihre Absurdität der dargestellten Charaktere und der schnellen Abfolge der skurrilen (Zufalls-)Ereignisse zu amüsieren weiß ...

5 Mucks für diesen unterhaltsamen Ritt durch die Klischees und den Einfallsreichtum von Herrn Wolf, welcher hier in Kombination mit dem unfassbar guten Hörspielskriptschreiber H.G. Francis und den stark besetzten Sprechern (selbst eine Mini-Nebenrolle wird hier mit Gottfried Kramer perfekt bekleidet) bis heute begeistern kann.





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