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und der Phantomsee




Kommentar von Christoph





»Sieh das Geheimnis in einem Spiegel.«

(Angus Gunn)




Fragt man nach DEM Hörspiel aus der »drei ???«-Reihe, welches vor Charme und vor allem vor Atmosphäre nur so strotzt, kommt meiner Meinung nach nur der Fall »Phantomsee« in Betracht. Demzufolge ist vorliegender Output auch einer meiner absoluten Favoriten. Eine Folge, die mir als Kind super gut gefallen hat - eine Folge, die ich auch als Erwachsener nicht missen will. Ein Stück Kindheit, welches ich mir von Zeit zu Zeit immer wieder mal gerne zu Gemüte führe.

Ich drücke auf "Play", schmunzele beim Ertönen der lustigen (und einzigartigen) Eröffnungsmelodie und tauche sogleich ab in die Welt von Justus, Bob und Peter. Ich bin dabei - für eine gute dreiviertel Stunde - und genieße es, den Tücken des Alltags zu entfliehen und mich den Geschehnissen meiner drei Freunde aus Rocky Beach zu widmen. Ich höre mir Justus' oftmals übertriebene Ausführungen zu Dingen an, von denen ich noch nie etwas gehört habe (»Immer diese Vorträge ...«). Ich überlege mir, wie ich der dröhnenden Stimme von Tante Mathilda entrinnen kann. Ich lache in mich hinein und versuche mir auszumalen, auf welche Art und Weise die gute Mathilda den mehr als unverschämten Java-Jim denn bestrafen würde, wenn sie dazu käme. Ich schaue mir zusammen mit Bob die Unterlagen an, welche uns die nette ältere Bibliothekarin freundlicherweise schon herausgesucht hat. Anschließend gehe ich mit meinen drei Detektivkollegen die steile Straße hinauf und sehe ein altes Steinhaus, von dessen Turm man Feinde wohl schon meilenweit ausmachen könnte. Ich betrete mit den anderen eine frisch eingezäunte alte Goldgräberstadt - eine Geisterstadt, in welcher ich mich sehr fürchte und erwache schlagartig aus meiner Starre, als im Saloon plötzlich laute Musik ertönt ...

Ihr merkt bestimmt schon, dass ich dieses Hörspiel liebe und wahrscheinlich noch ewig so weiterschwärmen könnte. Und in der Tat fällt es mir schwer, bei der Betrachtung des Hörspiels für diesen Kommentar den notwendigen Abstand zu wahren. Da ist zum Beispiel das faszinierende Cover von Aiga Rasch. Genial waren ihre Cover-Illustrationen ja eigentlich immer. Jedoch finde ich, dass sie sich bei diesem zugegebenermaßen recht wenig farbenfrohen, weil Ton in Ton gehaltenem Werk selbst übertroffen hat. Wie oft habe ich dieses Phantom betrachtet und mich gefragt, wie es möglich ist, dass ein solch einfach gehaltenes Bild eine so große Wirkung auf mich ausüben kann.

Und dann sind es wiederum die Sprecher selbst, die dieses Hörspiel zu etwas ganz Besonderem machen. Allen voran natürlich das Detektivteam, welches im »Super-Papagei« noch nicht ganz so treffsicher aufeinander abgestimmt war, wie es beim »Phantomsee« der Fall ist. Hier klemmt hingegen wirklich nichts mehr und vor allem Jens Wawrczeck (die Schreibweise musste ich gerade nochmal googeln) alias Peter Shaw machte hier einen verdammt guten Job. Bereits zu dieser Zeit zeichnete sich vermutlich schon ab, dass die drei Jungen wohl noch sehr oft gemeinsam vor dem Mikro sitzen würden. Die totale Spielfreude halt - als hätten sie noch nie etwas anderes gemacht. Oliver, Jens und Andreas - ein echter Gewinn für meine und kommende Hörspiel-Generationen.

Und es ist schön zu beobachten, wie sich auch Sprecher der "alten Garde" in diesen - ja wie soll man sagen - modernen Kram grandios miteinfügen. Hier ist natürlich in erster Linie Gottfried Kramer zu nennen, der einen wunderbar vergreisten Professor Shay sowie den total schrägen, ja fast psychopatischen, Seemann Java-Jim abgibt. Ich könnte mich kringeln, wenn man im Historischen Forschungsinstitut von Rocky Beach den wirren bis zuweilen tuntig wirkenden Professor heranschlürfen hört - dessen abgetretene Latschen kann man fast greifen. An dieser Stelle möchte ich auch den Geräuschemachern mal ein Lob aussprechen. Oftmals sind es nur nette kleine Belanglosigkeiten, die dann aber doch den Unterschied ausmachen.

Wollte man nun wirklich ein Haar in der Suppe suchen, so könnte man eventuell bemängeln, dass man praktisch schon nach wenigen Minuten weiß, dass Professor Shay und Java-Jim ein und dieselbe Person sind. Auch stellt sich rein von der Logik her die generelle Frage, warum der sicherlich nicht dumme Professor Shay überhaupt in die Rolle des Java-Jims schlüpfen muss. Denn wo dessen Versuche, an Informationen zu kommen, kläglich scheitern, ist es doch gerade der Professor, der den drei Detektiven für geraume Zeit auf der Nase herumtanzen kann. Auch besonders witzig finde ich Ernst von Klipstein (... immer nur mit einem "p" bitte!) in der Rolle des Jesse Widmer. Erst sein Gejammer (»Bitte ... bitte helft mir doch!«) und dann sein anschließender Enthusiasmus (»Ah ... da ist ja schon was! Ja, ja ...«), als er den drei Detektiven nebst Cluny bei einer Recherche behilflich sein will. Einfach nur liebenswert, der ältere Herr aus dem Stadtarchiv, der nicht müde wird, zu betonen, dass man Java-Jim zuvorkommen müsse.

Schlussendlich gefallen mir die musikalischen Einlagen. Beispielsweise diese wohl orientalischen Klänge, die man immer dann hört, wenn Java-Jim wie aus dem Nichts auf der Bildfläche erscheint, fand ich immer schon sehr interessant und spannend. Auch mag ich die flippige Eröffnungs- beziehungsweise Abschlussmelodie. Eigentlich schade, dass in den weiteren Folgen stets die gleiche Titelmusik (wenn auch in unterschiedlichen Variationen) gespielt wird. Auf der anderen Seite stärkt natürlich ein einheitlicher Sound das Bewusstsein, welches man zu einer liebgewonnenen Serie entwickelt. Abschließend zum Thema Musik möchte ich noch anmerken, dass mir als Kind diese verstörenden Streicherklänge, welche am Ende der ersten und zu Beginn der zweiten Seite zu hören sind, immer einen Schauer über den Rücken gejagt haben. Ich erinnere mich, dass ich abends beim Wechseln der Kassettenseite immer wieder schnellstens unter die Bettdecke gekrochen bin, eben weil ich diese Töne so unheimlich fand. Heilfroh war ich dann immer, wenn endlich die (alberne) Saloon-Musik erklang (Puh ... wieder mal überstanden!).

Ach so, noch in aller Kürze worum es eigentlich geht: Im Geheimfach einer alten Seemannstruhe findet man ein Tagebuch. Dieses gehörte dem schottischen Matrosen Angus Gunn, welcher an Bord der Argyll Queen seinen Dienst versah. Im Jahre 1870 ging das Schiff unter. Den legendären Schatz, von dem man sich erzählt, soll Gunn jedoch noch rechtzeitig von Bord gebracht haben. Zwei Jahre später wird Gunn, der sich in der Nähe von Rocky Beach angesiedelt hatte, von seinen ehemaligen Schiffskameraden ermordet. Der Schatz wurde jedoch nie gefunden. Der schrullige Professor Shay, der jedoch fest an dessen Existenz glaubt, versucht mit allen Mitteln, diesem habhaft zu werden - und sei es in der Gestalt des nicht gerade umgänglichen Java-Jims. Die drei Detektive, die Gunns Schriften deuten und darüber hinaus Kontakt mit der Familie des toten Matrosen aufnehmen, beteiligen sich im Auftrage der Gunns ebenfalls an der Suche ...

»Die drei ??? und der Phantomsee« ist ein echter Klassiker - ein Hörspiel, welches mir fest ans Herz gewachsen ist. Es strotzt, wie beinahe alle Hörspiele dieser Serie, zwar nicht gerade vor Logik, ist aber mit seiner atmosphärischen Dichte über jeden Zweifel erhaben. Ich möchte jedoch nicht vergessen, anzumerken, dass mein Urteil, hätte ich das Hörspiel als Erwachsener zum ersten Mal gehört, mit Sicherheit anders ausgefallen wäre. Die Gnade der frühen Geburt.

Fünf Mucks für dieses ultimative Hörerlebnis.





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