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Alfred Hitchcock

Die drei ???

und die schwarze Katze




Kommentar von Christoph





»Ich bin nicht der Bösewicht!«

(Paul Hartney)




Kommentare verfasst man normalerweise über Dinge, welche einem besonders gut gefallen. Auch macht es manchmal Freude, über etwas zu schreiben, was einem nicht so sehr zusagt. Ist man hin- und hergerissen, fällt es meistens schwerer, die richtigen Worte zu finden. Warum schreibe ich das? Ganz einfach, weil das vorliegende Hörspiel »Die drei ??? und die schwarze Katze« eigentlich zu meinen liebgewonnenen Folgen rund um das Detektivteam aus Rocky Beach zählt. Dennoch habe ich bislang einen Kommentar vermieden. Somit habe ich mir gerade selbst widersprochen.

Warum dies einerseits richtig und anderseits falsch ist, wurde mir jedoch erst klar, als ich mir das Hörspiel vor kurzem noch mal zur Brust nahm und es mir sehr aufmerksam anhörte. Hatte ich geglaubt, das Hörspiel - wie eigentlich so manchen »die Drei ???«-Output - nie wirklich so ganz verstanden zu haben, so verstärkte sich dieses Gefühl nun nochmal immens. Und über etwas zu schreiben, was man nicht richtig verstanden hat, ist in jedem Fall eine Gratwanderung. Das wäre also (m)eine Erklärung.

Und ich muss wirklich sagen, genau dieses Hörspiel hat meiner Meinung nach in punkto Ungereimtheiten einen beinah ebenso hohen Stellenwert, wie das ach so mysteriöse »Bergmonster«. Jedoch muss man diesem wohl unbedingt zugute halten, dass dort in der Tat eine gewisse Portion Fiktion mit eingebaut wurde. Im Falle der »schwarzen Katze« ist dies anscheinend anders, jedoch dauert es gefühlt nicht mal eine Minute, bis man an einem Punkt gelangt, an welchem man schon die ersten Fünfe gerade sein lassen muss.

Inmitten des Trubels eines kleinen Wanderzirkus' bekommen die drei Detektive mit, wie ein Mann folgendes lautstark vermeldet: »Das ist doch Betrug. Her mit dem Preis!« Kurz darauf schreit ein Kind: »Er hat mir die Katze gestohlen!« Man erfährt, dass ein Mann den Hauptpreis, eine schwarze Stoffkatze, gestohlen hat. Wieso würde ein Dieb einen solchen Lärm machen und dann auch noch von Betrug sprechen? Arbeiten Diebe nicht eher im Stillen? Es war eindeutig ein Kind, was anschließend geschrien hat. Hat dieses Kind geschrien, weil ihm der gewonnene Hauptpreis von einem Dieb aus den Händen gerissen wurde? Oder wie war das? Am meisten Sinn ergibt, dass Andy Carson, der Sohn des Direktors und Inhaber einer Schießbude, den Diebstahl der Katze lauthals anzeigte. Jedoch hat dieser beinahe schon eine Männerstimme. Sehr konfus.

Der Dieb entkommt spektakulär über eine vier Meter hohe Bretterwand. Hierüber gibt es keinen Zweifel, wie Justus sehr überzeugend anmerkt. Später erfährt man, dass dem Dieb dies mittels Saugnäpfen, »wie sie ein Fliegenmensch verwendet«, gelungen ist. Vor meinem geistigen Auge sehe ich gerade das genervte Gesicht meiner Frau, als sie ein weiteres Mal versucht, ein zuvor heruntergefallenes Fensterbild mit einem Saugnapf an unserer Wohnzimmerfensterscheibe zu befestigen. Diese Dinger gehen immer wieder ab. Dem »einzigartigen Gabbo« war es jedoch anscheinend gelungen, mit gleichartiger Technik sogar eine spröde Bretterwand zu erklimmen. Das hätte ich gerne gesehen. Vielleicht war gerade dies das wirklich Einzigartige an ihm. Sehr seltsam.

Ebenfalls seltsam ist die Geschichte mit dem bemalten Fass (ein Podest), welches die drei Detektive für den Löwen Radscha gebaut haben. Dieses übergeben sie Iwan (dem Großen), welcher den Dreien dafür dankt. Man ist also bekannt mit diesem Iwan, kennt sogar den Namen des Löwen. Andy Carson und dessen Vater, dem der Zirkus immerhin gehört, lernt man jedoch erst später kennen. Das finde ich zumindest eigenartig. Oder ist der gute Iwan zuvor über Onkel Titus' Schrottplatz marschiert, um etwas Passendes für seinen Lieblings-Löwen auszusuchen? Wie dem auch sei.

Was mir hingegen sehr gut gefällt, ist, dass der ansonsten so als feige geltende Peter Shaw sich in dieser Folge richtig gut verkaufen kann. Nicht nur, dass er ein wahrer Meisterschütze ist und wahrscheinlich auch noch den 50. Treffer in Folge sicher angebracht hätte, nein, er ist auch noch der Mann mit den eisenstarken Nerven. Er hält den freilaufenden Löwen Radscha in Schach. Die Szene mit der Großkatze finde ich übrigens weitaus spannender, als alles, was ich im späteren "Löwen-Hörspiel" (Folge 15) zu hören bekomme.

Auch interessant finde ich es, dass die Detektive dieses Mal ausdrücklich darum gebeten werden, nicht zu ermitteln. Schließlich lehnt Andys Vater die Hilfe des Trios vehement ab, trotzt bester Referenzen, wie man ja weiß. Daher hatte ich als Kind auch immer den Zirkusdirektor etwas in Verdacht. Letztlich gefällt es mir immer, wenn die drei Detektive durch eine(n) etwa gleichaltrige(n) Mitstreiter(in) verstärkt werden. Und hier ist die sympathische Stimme Stefan Schwades, der den Sohn des Direktors spricht, wohl eine vortreffliche Wahl. Auch wenn ich nie verstehen werde, warum er die Detektive beim Kennenlernen fragt, ob sie ebenfalls vom "Bau" seien. Wie Schausteller sehen Justus, Bob und Peter doch wahrscheinlich wirklich nicht aus, oder? Besagte Frage reiht sich vermutlich nahtlos in ähnliche Zitate der Kategorie »Ich bin Nelly Towne. Mein Mann lebt nicht mehr.« ein. Liebenswerte Ecken und Kanten, welche man sicherlich nicht allesamt verstehen muss.

Der Bösewicht in dieser Folge, der »einzigartige Gabbo«, könnte einem indes fast schon wieder leid tun. Richtig clever handelt er eigentlich nie und er kann im Grunde genommen froh sein, dass auch das Detektivteam nicht so ganz in Form ist. Erst ein ungelenker Diebstahl, welcher dazu noch missglückt. Dann schaltet er eine abstruse Zeitungsanzeige, durch welche er sich noch mehr in Verdacht bringt. Immerhin hat der frischgebackene Bankräuber einiges zu verlieren. Auch müsste er eigentlich befürchten, andere kriminelle Elemente hierdurch anzuziehen.

Und schlussendlich sperrt er die drei Fragezeichen nebst Andy sogar in seiner vorübergehenden Behausung ein, auf dass seine wahre Identität nun endgültig auffliegt. Er hätte doch wissen müssen, dass Andy ihn kennt und ihn sein zurückgelassenes einzigartiges Fliegenmenschkostüm verraten würde. Auch den Gepäckaufbewahrungsschein, ohne welchen er an seine Diebesbeute nicht herankommt, in einer Stoffkatze zu verstecken, welche er obendrein noch verliert, zeugt nicht gerade von einem Übermaß an Intelligenz. Wirklich einzigartig an Gabbo ist eigentlich lediglich Karl-Ulrich Meves, der diesem seine geniale Stimme leiht.

Nur gut für den beherzten Bankräuber, dass auch unsere Superdetektive hier allenfalls auf »Famous Five«-Niveau agieren. Bei der "Katzen-Ankauf-Aktion" in Gabbos Haus wurde dieser doch eindeutig an seiner Stimme wiedererkannt. Er klaut zuvor eine Stoffkatze und versucht nun (legal) an etwaige Exemplare zu kommen, indem er sie maßlos überteuert ankauft. Ich finde, da sollte man schon einen Zusammenhang sehen. Man hätte eigentlich jetzt schon den bärbeißigen Hauptkommissar informieren können, oder?

Als Gabbo die vier anschließend einsperrt, klären sie (dann aber auch wirklich) eindeutig die Identität des Delinquenten. Später, als sie mit Hauptkommissar Reynolds sprechen, beschreiben sie den "unbekannten Mann" anhand einer Tätowierung etc. Ganz zum Schluss sagen sie Reynolds dann noch, dass es sich um einen Mann namens Gabbo handele. Der liebe Herr Hauptkommissar hatte in dieser Szene wahrhaftig viel Geduld bewiesen - ein Reynolds "light" sozusagen.

Und dann gibt es im Hörspiel noch einen Kraftmenschen, der angeblich so bekannt ist, dass er es sich nicht leisten kann in einem so kleinen Zirkus unter seinem richtigen Namen aufzutreten. Nur kennt diesen bekannten Kraftprotz kein Mensch, so dass der einstige Artist sich zum Schluss als Privatdetektiv vorstellt - Paul Hartney. An dieser Stelle musste ich schon als Kind schon immer herzhaft lachen - »Poool Harrrtneee!«. Einfach großartig, dieser Rene Genesis. Auch hat dieser kräftige Kraftmensch mit dem eigentlichen Geschehen gar nichts zu tun.

»Die drei ??? und die schwarze Katze« ist eine Folge, die mir eigentlich immer sehr gut gefallen hat, weil sie wie Öl runtergeht und einfach Spaß macht. Die Sprecher sind durchweg top und all diese Ungereimtheiten ... naja. Ich sag mal so: ein Wunder, dass einem so etwas nach vier Jahren Donald Trump überhaupt noch auffällt.

Fünf Mucks für diese Mietzenfolge.

Einmal darf ich noch, oder? »Poool Harrrtneee!«





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