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»Die drei ??? und der rasende Löwe« war nach dem »unheimlichen Drachen« das zweite Hörspiel der Reihe, welches ich etwas
enttäuscht vom Plattenteller nahm, nachdem das Schlussgelächter verklungen war und sich Justus mit einem »Boah, das
schockt, ey!« aus der zweiten LP-Staffel verabschiedete. Was war geschehen? Oder besser gefragt: Was war nicht
geschehen?
Wie ich feststellen musste, stammten die beiden erwähnten Geschichten beide vom gleichen Autor (Nick West), der sich -
aus meiner Sicht glücklicherweise - nur an diesen beiden Erzählungen versuchte, um dann aus dem Kreise der
wohlverdienten Autoren zu verschwinden. Hatte die Drachengeschichte schon unter einem etwas unspektakulären Ende
gelitten, welches den anfänglichen Geheimnissen nicht gerecht wurde, so tauchte dieses Phänomen hier in noch
deutlicherer Form auf. Der frei herumlaufende Löwe, das unheimliche »Dschungelland« bei Nacht, die einsame
Schrottplatzszenerie - all das löste sich in einer zähen Schmuggelgeschichte auf ... und der der Erste Detektiv auch nur
durch puren Zufall (den Fund in der Arzttasche von Doc Dawson) auf die Spur kam. Ein deus ex macchina wie er
im Buche steht.
Nein, nach Geistern, Gespenstern, Totenköpfen und Phantomen kam dies alles recht über- und durchschaubar daher. Zudem
schienen mir von Anfang an die Sprecher der kleineren Rollen nicht recht bei der Sache zu sein. Ein Großteil der
»Löwen«-Besetzung findet sich wieder in dem »Commander Perkins«-Dreiteiler um das MITTLERE AUGE, so etwa Horst Stark,
Mathias Lorenz, Karl Walter Diess, Harald Pages, Karl-Ulrich Meves und nicht zuletzt Wolfgang Jürgen. Waren ihre
Leistungen dort nicht zu beanstanden, überzeugen vorliegend nur die beiden Letztgenannten in den Rollen von Mr. Olsen
(Meves) und Doc Dawson (Jürgen). Horst Stark, Mathias Lorenz und vor allem Harald Pages scheinen hier jedoch seltsam
unbeteiligt, ja geradezu sediert. Und der Kurzauftritt von Mr. Eastland (Karl Walter Diess) geht zwar in Ordnung, ist
im Grunde aber überflüssig.
Vor dem Verfassen dieses Kommentars landete die LP, die mit gerade einmal 39 Minuten das kürzeste Vinylabenteuer der
drei Helden darstellt, natürlich noch einmal auf meinem Plattenspieler. Und dabei fiel mir ein Kuriosum auf, denn wohl
kaum eine andere »drei ???«-Folge bietet einem kleinen Hörer die Gelegenheit, so viele Autofahrten mit Matchbox-Autos
nachzuspielen:
1. Seite:
02'29": Patrick & die drei ??? ⇒ »Dschungelland«
10'35": Jay Eastland ⇒ »Dschungelland«
11'00": Doc Dawson ⇒ »Dschungelland«
13'10": Patrick & die drei ??? ⇒ »Gebrauchtwarencenter«
14'18": Mr. Olsen ⇒ »Gebrauchtwarencenter« (1)
15'52": Onkel Titus ⇒ »Gebrauchtwarencenter«
16'20": Mr. Olsen ⇒ »Gebrauchtwarencenter« (2)
2. Seite:
00'12": Morton & die drei ??? ⇒ »Dschungelland«
03'30": Doc Dawson ⇒ »Dschungelland«
09'16": Morton & die drei ??? ⇒ »Gebrauchtwarencenter«
11'49": Morton & die drei ??? ⇒ »Dschungelland«
12'53": Morton & die drei ??? ⇒ »Gebrauchtwarencenter«
13'40": Morton & die drei ??? ⇒ »Dschungelland«
15'34": Jim Hall & die drei ??? ⇒ Doc Dawson
17'08": Mr. Olsen ⇒ Doc Dawson
Nun, die ganze Hin-und-Her-Fahrerei tut der Geschichte zwar keinen Abbruch, aber es fehlt irgendwie zu lange an wirklich
verdächtigen Personen und einem plausiblen Motiv, um den Hörer mitzureißen. Die einzigen Szenen, die mich wirklich
überzeugen, sind der Ankaufsversuch von »Nussknacker-Olsen« und Onkel Titus' darauffolgende unerwartete Reaktion sowie
die nächtliche Lauschaktion, während Mr. Olsen mit seinem Kollegen Mr. Dobbs via Walkie-Talkie über die Diamanten und
das mögliche Versteck spricht. Ansonsten plätschert das Hörspiel eher vor sich hin.
Gestehen muss ich, dass ich seinerzeit nicht abschließend realisiert habe, dass es in dieser Geschichte zwei Schrottplätze
gibt: den von Onkel Titus und denjenigen neben dem Wildpark von Jim Hall. Obwohl dies deutlich erklärt wird (und es auch
anders keinen Sinn ergeben würde), war die "Schrottmühle" für mich immer ein Teil des »Gebrauchtwarencenter T. Jonas«.
Vielleicht war deswegen auch dieses ganze Hin und Her für mich so suspekt, weil ich nicht verstanden habe, dass es sich
um weit voneinander entfernte Örtlichkeiten handelte.
Fazit: gemessen an der Serie »Die drei ???« eine eher unterdurchschnittliche Folge, gemessen an der Qualität von
Jugendbuchserien allgemein hingegen deutlich über dem Durchschnitt. Ich denke, mit drei Mucks sind der etwas
begriffsstutzige Kommentator für seine detektivische Minderleistung und das Hörspiel als solches angemessen bedient.
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